Das Volksbegehren in Baden-Württemberg zur Erhaltung der Artenvielfalt ,,Rettet die Biene“ sorgte für regen Gesprächsstoff. Die Forderungen waren klar: Weniger Pflanzenschutzmittel, mehr Bioanbau, mehr Streuobst. Während die Forderungen der Initiatoren einleuchtend und nachvollziehbar waren, waren es die Eckdaten nicht. 50% Bioanbau in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2035, ein komplettes Verbot von Pflanzenschutzmitteln auf Naturschutzflächen, gesetzlicher Schutz von Streuobstbeständen und Halbierung der mit Pflanzenschutzmittel behandelten Flächen bis zum Jahr 2025. Was drastisch klingt, ist es auch. Während das Volksbegehren und dessen Forderungen viele Fragen zur Umsetzung aufwerfen, bleiben die Antworten seitens der Initiatoren aus, hier wird auf die Verantwortung der Landesregierung verwiesen. Wer kauft die geforderten Bioprodukte? Wie wird verhindert, dass günstige Lebensmittel aus dem Ausland importiert werden? Wie sollen die Vorhaben geregelt werden, wer stellt auf Bio um, wer darf konventionell bleiben? Welche praktikablen Möglichkeiten gibt es, komplett auf Pflanzenschutzmittel zu verzichten? Viele Fragen, wenig Antworten.

Landwirte stehen für Artenvielfalt, sie arbeiten täglich mit den Ressourcen der Natur, produzieren hochwertige Lebensmittel und bilden und pflegen unsere Naturlandschaft. Darüberhinaus sollen sie allein für den Rückgang der Arten verantwortlich sein? Wieso sonst nimmt das Volksbegehren allein die Landwirte in die Verantwortung? Kein Wort über die Klimaveränderungen und die damit einhergehende, natürliche Gendrift, kein Wort über Industrie, Infrastruktur, Müllwirtschaft oder Schadstoffausstoß von Autos, Schiffen und Flugzeugen. Das Volksbegehren fungiert hier definitiv zu einseitig.

Landwirte stehen für Artenvielfalt – aber ohne Zwang. Hier wird seit Jahren, schon lange vor den Vorwürfen des Volksbegehrens, getan was möglich ist. Von Blühstreifen oder Naturschutzprogrammen wie FAKT bis zu  Heckenpflanzungen oder Humusmanagement, vieles davon gehört bereits zur guten fachlichen Praxis. Natürlich kann an manchen Stellen noch besser gearbeitet, noch mehr geforscht und noch mehr optimiert werden, aber hier sind wir alle in der Verantwortung. Unsere kleinbäuerliche Struktur und damit Existenzen von zahlreichen Landwirten und dessen Familien aufs Spiel zu setzten, um Gesetze und Verordnungen zu erlassen, die Probleme lösen sollen, die wir alle zusammen verursacht haben, scheint uns völlig ungerechtfertigt.

Wer das Volksbegehren unterschreibt, soll sich mit folgenden Fragen auseinandersetzen: Wenn unsere Landwirte aufhören, weil sie aufgrund unpraktikablen Verordnungen resignieren, woher kommen dann unsere Lebensmittel? Wie steht es mit den Vorschriften für Pflanzenschutz, Gentechnik, Arbeitsschutz oder Tierschutz im Ausland, woher wir günstige Lebensmittel beziehen? Was kann ich selbst erste einmal tun, um nachhaltiger und naturschonender zu konsumieren? Bin ich wirklich so gut informiert über naturbedingte Prozesse, Wirkungen und Ursachen von Faktoren in der Landwirtschaft und ökonomischen Möglichkeiten, dass ich beim Landwirt von nebenan derart massiv eingreifen kann?