Alles begann am 10. März am Frankfurter Flughafen. Hier tummelte sich die Gruppe der Lehrfahrt eng am Check-in Schalter und rätselte gespannt über den Ablauf der Reise. Viele der Mitreisenden waren noch nie, oder noch die so weit, geflogen, wie würde also der Flug ablaufen? Gibt es im Flieger etwas zu essen? Habe ich zu viel Gewicht bei meinem Reisegepäck? In Anbetracht der Abenteuer, die in Südafrika auf uns warten sollten, waren diese Bedenken zum damaligen Zeitpunkt vergleichsweise lapidar. Südafrika, ein Land auf einem anderen Kontinent, voller neuer Erfahrungen, Kultur, Denkweisen und mit einer gänzlich anderen Geschichte. Die Anreise verlief entspannt, wer im Sitzen nicht schlafen konnte, schaute einen Film oder beobachtete die Flugroute auf dem Bildschirm.

Als wir in Kapstadt ankamen, stiegen wir sofort in unseren Reisebus und sammelten erste Eindrücke der Metropole. Was sofort auffiel: 1. Für eine Großstadt weist Kapstadt überraschend wenig Hochhäuser auf und vergrößert sich mehr in die Breite als ich die Höhe 2. Durch den Linksverkehr ist das Überqueren der Straße eine lebensgefährliche Angelegenheit 3. Afrikaans hört sich sehr stark wie Holländisch an und Holländisch sehr stark wie Deutsch.

In der Stadt selbst sind überall kleine Parks anzufinden, schöne alte Gebäude und ein blühendes Leben auf der Straße. Die Menschen dort sind munter, hilfsbereit und humorvoll und überall stellen Künstler ihre Werke aus. Bereits am ersten Tag erklommen wir den Tafelberg und staunten über das atemberaubende Panorama. Der Auf- und Abstieg war verblüffend leicht, was wohl zu einem erheblichen Teil an der Seilbahn lag, mit der wir komfortabel der Steilwand entlang gondelten. Unser Hotel befand sich direkt im belebten Stadtkern von Kapstadt und eröffnete dadurch unzählige Möglichkeiten der Abendgestaltung.

Am nächsten Tag ging es früh zum Wildtierreservat, in dem wir mit Planenwägen eine Safari machten. Die Big 5 warteten doch schon auf uns, wobei sich das Nilpferd im Wasserloch gut zu verstecken wusste. Ein Elefanten- und Giraffenpaar kreuzten unseren Weg und das Rhinozeros streifte mit seinem gewaltigen Horn beinahe die Seite unseres Wagens. Kleine Paviane entlausten ihre Jungen und spielten in den Büschen der Steppe während Büffel gemütlich grasten.

Der dritte Tag begrüßte uns mit einem großartigen Ausflug zum Botanischen Garten nach Kirstenbosch. Auf dem Baumwipfelpfad erschloss sich uns ein Ausblick über die Baumkronen des Gartens und der Bergspitzen, welche aus der Wolkendecke drangen. Vogelschwärme zogen über uns ihre Kreise und versetzten uns in den tiefsten Dschungel.  Nach einer kleinen Stärkung machten wir uns direkt auf zu einer Rinderfarm. Hier erwarteten uns 1500 Rinder, ein 84er Melkkarusell, ein äußerst kompetenter Betriebsinhaber, 52 Mitarbeiter und 1100 ha bewirtschaftetes Land. Sowohl die Technik wie auch die Betriebsstruktur versetzte uns in Staunen, denn mit einer derartig modern geführten Landwirtschaft hatten wir nicht gerechnet. Täglich werden auf dem Betrieb zwischen 50 und 60 Tausend Liter gemolken.

Am Samstag steuerten wir ein höchst bekanntes Ziel an: Das Kap der guten Hoffnung. Am süd-westlichsten Zipfel des Kontinents konnten wir das wilde Treiben des Atlantiks vom Leuchtturm aus genießen. Entlang der felsigen Küste reichten immer wieder kleine Lagunen mit goldgelbem Sand in die Landfläche. Danach besuchten wir eine Straußenfarm, welche hauptsächlich auf die Produktion des hochwertigen Straußenleders spezialisiert war. Da das Leder der Straußen so strapazierfähig und stabil ist und laut allgemeiner Meinung besonders schön sein soll, wird der Preis dafür sehr hoch gehandelt. Aber auch die Federn, das Fleisch und die Eier der Straußen werden verwendet und sogar aus den gigantischen Krallen der Vögel werden gewöhnungsbedürftige Schmuckanhänger gefertigt.

Das Abendessen nahmen wir in einem landestypischen Restaurant ein, wobei wir nebenher mit Livemusik einer Band mit Marimbaphonen begleitet wurden. Später lud die Musik zum Tanzen und Mitsingen ein und riss die ganze Truppe mit seiner Stimmung mit.

Der nächste Tag begann mit einer Führung durch Stellenbosch und dessen Universität. Als „keine“ Universitätsstadt bieten Stellenbosch alles was das Herz begehrt. Von kleinen Straßen mit bunten Läden bis hin zu gemütlichen Cafés in Hinterhöfen. Auf dem Weg zur Weinverkostung machten wir einen Halt bei Batty´s Bay, die Bucht der Brillenpinguine. Eine riesige Kolonie bewohnt dort die Hänge der Klippen und trotzt dort den rauen Bedingungen des Meeres. Das Weingut, das uns zu einer Weinprobe einlud, bewirtschaftet ihre Flächen ausschließlich ökologisch. Auch erfolgt die Weinverarbeitung so naturnah wie möglich, zum Beispiel durch den Verzicht von Edelhefen. Wir kamen in den Genuss, fünf Weine zu probieren und weitere Weine käuflich zu erwerben und im Verlauf des Tages zu verkosten.  Die Protea Farm, die wir danach besuchten, bot sowohl Weinberge als auch 15 ha Blumenheine der heimischen Proteas. Der Verkauf erfolgt sowohl im Inland als auch nach Holland. Zwar war es an dem Tag besonders windig, jedoch ist Wind bei den warmen Temperaturen eine willkommene Abwechslung. Der letzte Tag war nur noch sehr kurz, nach einem kleinen Ausflug an den Strand und zu einer Farm mit kleinen Krämerständen und Hofladen fuhren wir schon an den Flughafen zurück. Überraschenderweise verlief hier alles problemlos und wir durften ohne Bedenken zurück nach Deutschland reisen. Zwei Flugzeugmeals, knapp 10.000 Kilometer, 11 Stunden und ein paar Turbulenzen später standen wir wieder auf deutschen Boden. Die Reise fand zwar ihr Ende, aber die Erinnerungen bleiben!